Westerwald-Verein, Zweigverein Köln e.V.
Die 4-tägige Wanderfahrt vom 04. bis 07. Juni 2026 führte uns in den Spessart. Unser Quartier war das Hotel Christel in Heimbuchenthal, in dem wir gut aufgehoben waren.
Der Spessart, ca. 2.258 Quadratkilometer, umfasst den größten zusammenhängenden Laubmischwald in Deutschland mit alten Eichen- und Buchenbeständen. Die Landschaft ist geprägt von bewaldeten Kuppen und Hängen, offenen landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wiesentäler und Flüssen. Der südliche Teil des Spessarts wird durch das sogenannte Mainviereck begrenzt. Im Osten schließt sich die Marktheidenfelder Platte an. Am Main haben sich zahlreiche kleine Städte entwickelt. Wir lernten Marktheidenfeld, Wertheim und Miltenberg kennen.


Der Spessart ist von zahlreichen alten Wegen durchzogen, z. B. Handelswege auf denen früher die Landesherren Zolleinnahmen erzielten und alte Heerstraßen. Heute freuen sich Wanderer über die Wege.
Glasprodukte und Spiegel aus dem Spessart sind begehrt und werden europaweit vertrieben. Begehrt ist auch der rote Mainsandstein (Buntsandstein), der seit Jahrhunderten im Mainviereck abgebaut wird. Er hat eine hohe Druckfestigkeit und ist frostsicher. Alte Brücken und repräsentative Gebäude wurden aus diesem Sandstein errichtet. Auch Steinbildhauer verwendeten ihn gerne für Skulpturen, Wappen und ornamentierte Werksteine. Daher prägt der rote Sandstein die Ortschaften im Spessart die wir bei unseren Wanderungen durchquerten.

Am Anreisetag stoppte der Bus auf dem Weg zur Unterkunft in der Nähe von Weibersbrunn am Parkplatz Steintor. Hier begann die erste Gruppe mit ihrer Wanderung. Danach folgte der Ausstieg der weitern Gruppen, die kürzer wanderten. Die gute Luft des Spessartwalds ließ uns erst einmal tief durchatmen. Der Wanderweg führte unter anderem auf dem Eselsweg, früher eine historische Handelsstraße, heute ein moderner Fernwanderweg zum Echterspfahl. Schließlich erreichten wir das Schloss Mespelbrunn.

Das Wasserschloss Mespelbrunn liegt eingebettet in stiller Natur in einem abgelegenen Seitental am Krebsbach. Es ist seit dem 15. Jh. in Familienbesitz. Wir sammelten uns zur Besichtigung im dreiflügeligen Hof. Dann betreten wir den Rittersaal. Die benachbarte Kapelle stammt aus der ersten Bauphase. Es folgt der geräumige Speisesaal. Hier ist die mit Blattgold verzierte Rosettendecke besonders schön. Durch die Doppeltür kommt man in den Ahnensaal mit seinen zahlreichen Familienporträts, beginnend bei der letzten Echterin von Mespelbrunn, Maria Ottila, und ihrem Mann, Philipp Ludwig von Ingelheim.

Im Echterzimmer wurde am 18. März 1545 Julius Echter von Mespelbrunn geboren. Er gründete 1579 in Würzburg das Juliusspital und gilt damit als der Stifter der heutigen Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im Chinesischen Salon befindet sich auf kleinstem Raum eine große Sammlung asiatischer Kunst. Die originale Tapete ist durch die Jahrhunderte braun nachgedunkelt. Im letzten Raum des Rundgangs, im Fürstenzimmer, ist ein Gästezimmer untergebracht. Da steht ein Himmelbett aus dem 17. Jh. mit gedrehten Säulen und reichem Schnitzwerk. Oberhalb des Kopfendes ist versteckt eine Vertiefung eingelassen in der man Schmuck, Wertsachen und Geld ablegen kann. Daher kommt der Spruch „Auf die hohe Kante legen“. Nach der Schlossbesichtigung war geplant die restlichen Kilometer zu Fuß zum Hotel zu gehen, aber leider fing es an zu regnen und so fuhren wir mit dem Bus.
Am nächsten Tag (Freitag) war eine Wanderstrecke von 19 km vom Torhaus Aurora, Straßlücke, Steinmark, Wegweiser Würzburger Straße, Marienbrunn bis Marktheidenfeld geplant. Je nach Lust und Laune (Wandervermögen) konnte man eine längere oder kürzere Strecke (15, 12, 8 oder 4 km) wählen. Es war eine abwechslungsreiche Strecke, erst durch Wald, dann offene Flächen, am Krebsbach entlang nach Marienbrunn, einem Ortsteil von Marktheidenfeld. Von dort kam man zum Main und auf dem Uferweg bis zur Alten Mainbrücke, ganz aus rotem Sandstein gebaut. Im Ortskern befinden sich gut erhaltene Fachwerkhäuser.

Besonders schön war die Rast an diesem Tag. Als wir aus dem Wald kamen machten wir „Bei den Drei Eichen“, als Naturdenkmal ausgewiesen, Pause. Hier kommen mehrere Wanderwege zusammen. Auch eine Hütte lud zum Verweilen ein. Vom Waldrand hatte man einen weiten Blick auf die Felder ringsum. Der Blühsaum am Rand, durchsetzt mit leuchtenden Mohnblumen, entzückte die Fotografen.


Die Alte Mainbrücke ist insofern interessant, da sie die erste steinerne Brücke (gebaut 1836 bis 1846) über den Main zwischen Würzburg und Aschaffenburg war. Auf ihr verläuft die Bundesstraße 8 über den Main, eine Straße, die quer durch Deutschland von Emmerich bis Passau reicht. Eine weitere wichtige Funktion für den Handel hat die Alte Mainbrücke, weil sie den waldreichen Spessart (Holz, Glas) mit dem fränkischen Weinland verbindet, siehe Touristeninfo Marktheidenfeld.
Nach dem Abendessen fand traditionell der Tanzabend statt. Der Alleinunterhalter Waldemar begann gleich mit flotten Stimmungsliedern und nachdem Elisabeth und Erhard den Eröffnungstanz absolviert hatten gab es kein Halten mehr. Es herrschte ausgelassene und gute Stimmung.
Am nächsten Tag startete die 1. Wanderung in Bischbrunn. Weitere Stationen waren Michelrieth, Röttbach, Wittbach. Hier wanderten wir auf einer uralten Heerstraße, dem Heunweg. Alle Wanderungen endeten in Wertheim. Die kleine Stadt liegt an der Mündung der Tauber in den Main. Mit Hilfe eines Stadtplans konnte man interessante Sehenswürdigkeiten erkunden. Aber auch ohne Plan konnte man sich leicht orientieren und die Stadt erobern. Im Mittelalter hatte Wertheim 18 Stadttore. Davon sind heute noch das Maintor, das Zolltor und Kittsteintor erhalten.
Am historischen Marktplatz stehen renovierte Fachwerkhäuser z. T. aus dem 16. Jh. Es ist ein belebter Platz zumal das Gastronomieangebot groß ist. Wer zur Burg hinaufsteigt hat einen herrlichen Blick auf Wertheim. Die Burg war früher Sitz der Grafen von Wertheim.


Wer sich für Glas begeistern kann besucht das Glasmuseum. Es sind Exponate von Luxusglas der Antike bis zur Hightech-Produkten der Glasindustrie zu sehen. Die Vorführungen des Museumsglasbläsers sind allein ein Besuch wert. Das Museum verdeutlicht, dass bereits früher Glas ein bedeutendes Handelsgut in der Region war.
Am letzten Tag, bevor wir die Heimreise antraten, konnten wir vier unterschiedlich lange Wanderstrecken wählen. Los ging es am Mönchberg über offene Flächen nach Röllbach und weiter nach Großheubach. Das Kloster Engelberg über dem Main wollten einige unbedingt sehen. Es ist eine bekannte Wallfahrtsstätte, wo der Erzengel Michael und die Gottesmutter Maria verehrt werden. Das Kloster liegt 250 m hoch auf dem Engelberg und bietet eine wunderbare Sicht auf den Main und Umgebung. Es fand gerade ein Gottesdienst statt, sodass wir die Kirche innen nicht besichtigen konnten. In der Klosterschänke daneben wird süffiges dunkles Bier aus Holzfässern ausgeschenkt.


Der kürzeste Weg vom Kloster nach Großheubach führt über die Treppe mit 612 Stufen, genannt die Engelstaffeln, hinunter in die Weinberge. Für die Mauern und Terrassen der Weinberge wurden rote Sandsteine aus dem nahen Steinbruch verwendet. Weiter unten sind flachere Teile der Weinberge begradigt und für den Einsatz von Vollerntemaschinen hergerichtet. Wir kamen bald an den Main, überquerten ihn und wanderten am Ufer nach Miltenberg in die Altstadt. In Miltenberg hatten wir noch Freizeit. Auch hier waren viele schöne Fachwerkhäuser zu bestaunen. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist der Gasthof „Zum Riesen“. Ein prächtiger Renaissance–Fachwerkbau. Er wurde 1411 erstmals erwähnt, 1970 vor dem Abriss gerettet. Heute ist er eine beliebte Gaststätte und Hotel.



Um 15 Uhr stiegen wir in den Bus und Kurt fuhr uns sicher nach Köln. Eine gelungene Wanderfahrt ging zu Ende, dank des starken Orga-Teams unseres Vereins.
Text und Fotos: Carola Schützler, Ludwig Kreitner
